Evolutionäre Humanisten Göttingen

Don't #PrayForParis

Hanno
16.11.2015

Nach den islamistischen Anschlägen auf Paris und die französische Lebensweise der "Prostitution und Obszönität" (siehe entsprechendes IS-Bekenntnis) verbreitet sich der Hashtag #PrayForParis im Netz und liefert zum Zeitpunkt dieses Schreibens knapp 4,5 Millionen Google-Treffer.

Bei aller Solidarität mit den Pariser Opfern und ihren Freunden und Familien scheint mir die Verwendung dieses Hashtags doch sehr unreflektiert. Der Zusammenhang zwischen dem Gebet als religiösem Ritual und der Rechtfertigung der Pariser Anschläge sollte offensichtlich sein – Weltanschauungen, die bar jeder Evidenz zum Gebet (und damit zur Anerkennung einer höheren Autorität und deren Ideologie) aufrufen, sind selbst ursächlich für die Art der Gewalt, zu der es am Samstag in Paris kam.

Der Aufruf zum Gebet in Krisensituationen präsentiert sich als Alternative zu tatsächlichem Engagement und bestärkt die Sympathisanten der islamistischen Ideologie in ihrem Glauben, sich im Krieg mit "Kreuzzüglern" (siehe IS-Bekenntnis) zu befinden.

Die glaubhafte Kritik der islamistischen Ideologie wird erschwert, wenn auch der Kritiker an eine göttliche Authorität glaubt. Das ist bedauernswert, da der Bedarf an differenzierter Islamismus-Kritik dieser Tage besonders hoch ist. Doch solange Politiker wie Angela Merkel und Barack Obama weiterhin darauf bestehen, dass Gewalt, wie sie Paris erlebt hat, "nichts mit dem Islam zu tun" hat, und damit die Chance vergeben, Islamismus klar vom Islam zu unterscheiden, werden die legitimen Ängste vieler Menschen nur von hasserfüllten, rechts-populistischen Stimmen adressiert, und die unterdrückten Minderheiten im Islam, die sich nach einer Reform ihrer Religion sehnen, im Stich gelassen. Der Diskurs gerät vollständig in die Hände rechter Stimmen, während die politische Linke zu sehr damit beschäftigt ist, den Kopf in den Sand zu stecken, als dass sie ihre Werte öffentlich vertreten könnte.